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Informationen zur Situation in Griechenland

In den letzten Monaten sind Nachrichten aus Griechenland in allen Medien präsent. Leider geben sie selten Anlass zur Freude, oft erscheinen die Ereignisse wenig nachvollziehbar.

Ich kenne Griechenland von privaten Reisen nun schon fast 30 Jahre, seit über 20 Jahren veranstalte ich Wanderstudienreisen in dieses schöne Land. In all den Jahren war das Verhältnis zwischen Deutschen und Griechen ein sehr herzliches, von beiden Seiten geprägt durch Verständnis für die verschiedene Lebensart und von gegenseitiger Wertschätzung.

Seit der so genannten Finanzkrise hat sich das bedauerlicherweise ein wenig geändert. Das leicht und unbeschwert erscheinende Leben der Griechen, das wir immer so geschätzt haben, ist anscheinend verbunden mit einem drohenden Staatsbankrott. Die Boulevardpresse lässt keine Gelegenheit aus, Beispiele als Grund für diese Misere zu nennen. Die Berichte lösen Unverständnis, Ablehnung und Empörung aus. Aber: Wenn ich selbstkritisch in unserer Gesellschaft Beispiele für „Misswirtschaft“, „Rentenbetrug“ etc. suche, werde ich auch hier leicht fündig.

Es ist sicher keine Lösung, sich gegenseitig auf niedrigem Niveau Vorwürfe zu machen. Die Griechen sind keine „faule“ Nation und wir sind nicht die „Lehrmeister Europas“ als die wir manchmal in Griechenland gesehen werden. Wenn ein Nichtschwimmer ins Wasser fällt, muss man ihn herausziehen, es nützt nichts, ihm vom Ufer aus Ratschläge zu erteilen, wie er schwimmen soll. Die zögerliche Umsetzung der Sparbeschlüsse in Griechenland ist keine Frage des politischen Willens. Viele Menschen, vor allem Schichten mit geringerem Einkommen, sind damit am absoluten Existenzminimum. Ich erinnere an einen Ausspruch unseres Finanzministers Wolfgang Schäuble, der schon vor einiger Zeit gesagt hat, dass bisher noch kein Staat so gravierende Sparmaßnahmen umsetzen konnte. Ich bin überzeugt und weiß aus zahlreichen Gesprächen mit Freunden und Geschäftspartnern in Griechenland, dass man den Ernst der Lage erkannt hat und bereit ist, Veränderungen, die notwendig sind, anzugehen. Aber es braucht seine Zeit, Wunder sind keine zu erwarten.

Wir haben bei allen unseren Reisen im vergangenen Jahr keine Ressentiments erfahren und waren stets gern gesehene Gäste. Streiks und Unruhen beschränken sich immer auf die großen Städte, wir hingegen halten uns auf Inseln oder in ländlichen Regionen auf und sind davon nicht betroffen.

Die Griechen sind eine optimistische Nation. Es tut gut, wenn ich von ihnen höre: „Wir haben den Krieg überstanden, wir haben den anschließenden Bürgerkrieg überstanden, wir werden auch die Krise überstehen…“

Es würde mich freuen, wenn Sie sich gerade in der etwas schwierigeren Zeit entschließen könnten, Ihren Urlaub in Griechenland zu verbringen. Das wäre für beide Seiten die schönste Form der direkten Hilfe.

Ihr Willi Bosch